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Biografische Daten


Bernhard Tragut

Traumhaft

Vier in hoher Handwerkskunst vollendete Stücke aus Lindenholz von Berhard Tragut (geboren 1957 in Purgstall, NÖ) werden sich unter dem Titel "Traumhaft" in den Räumen der Galerie Cult versammeln. Wie in den bisherigen Arbeiten des gelernten Vergolders Tragut, der vor seinem Eintritt in die Akademie der bildenden Künste täglich von Heiligenfiguren umgeben war, werden sich auch in ihnen Alltag und Sakralität verschränken.

Drei kleine Tabernakel des alltäglichen Wünschens, unterschiedlich geformt, bergen Heiligenfiguren der Gewöhnlichkeit. Drei Personen, jede für sich, vereinzelt eingeschlossen in intime Gehäuse ihrer Sehnsüchte und Träume. In ihren zu Kästchen ausgewachsenen Sockeln geborgen, sind die Tragut´schen Figuren nun gänzlich unerreichbar geworden, auch wenn man diese "interaktiven Skulpturen", wie sie der Künstler schmunzelnd nennt, drehen, das heißt dem Betrachter zu- oder von diesem abwenden kann. Wenn sie bisher noch auf dem standen, saßen oder lagen, was sie definierte, was ihnen ihre Welt bedeutete, in die sie sich einschrieben, so geraten Innen und Außen nunmehr gänzlich durcheinander, verdrehen sich wie in einem Möbiusband.

In aller Intimität haben sich auch die Kästchen-Figuren zum Klischee zurecht gemacht. Es ist, als hätten sie gerade ihr bestes Kostüm angezogen, um sich selbst zu zeigen, wer sie gerne sein möchten: ein bestimmter Typ mit neuen Turnschuhen, sehr verführerisch oder ganz wo anders. Sie geben sich sichtlich Mühe, erkannt zu werden als jemand, dem Aufmerksamkeit, dem ein Blick gebührt.

Auch die beiden Figuren, welche auf der kunstvoll verschachtelten überdimensionalen Monstranz auftauchen, auf der sich eine idyllische Landschaft und glänzend fetischhafte Autoteile gegenseitig durchdringen wie Zahnräder, auch diese beiden Figuren wissen, daß sie betrachtet werden. Von den Horizonten ihrer Welt buchstäblich eingekreist oder zum höchsten Punkt, dem Gipfel der Monstranz vorgedrungen, schläft sie und er blickt hinterhältig zurück auf den/die Betrachter/in. Die Stelle, in der sich sonst das Allerheiligste befindet, bleibt leer.

In der Monstranz treibt Bernhard Tragut das Spiel von Ursache und Wirkung weiter. Er kombiniert und vertauscht die Teile, um sie dann, semantisch verschoben, wie in einem absurden Puzzle wieder zusammenzufügen. Am Ende des Spiels weiß man weder, wer hier auf welche Weise wohin gekommen ist, noch, wer hier wen direkt oder aus den Augenwinkeln beobachtet.

Sehen, gesehen werden, sich abwenden, zurückblicken, sich zeigen sind wiederkehrende Themen in den Tragut´schen Szenarien, denen man seit 1981 immer wieder in Ausstellungen begegnet. Seit je treten ihre Protagonisten mit denen, die sich ihnen zuwenden, in Kontakt. Sie bieten sich an als Spiegel, unter deren fülligen und glänzenden Oberflächen ("Diese Fülle, dieser Glanz" war der Titel der Ausstellung von Bernhard Tragut in der Blau-Gelben Galerie des NÖ Landesmuseums, Wien, 1990) sie immer ein wenig jämmerlich sind.

So funktionieren wir, scheint Bernhard Tragut zu sagen. Wir wünschen und träumen und bleiben in Bewegung. Wir verlieben uns (seine Personale in der Galerie Station Drei im Vorjahr trug den Titel "Verliebt"), begehren, meinen, den Gipfel erreicht zu haben und kommen doch nicht von der Stelle. Wir sind eingeschlossen in unsere Wünsche und sind ununterbrochen dazu verdammt, sie zu verfolgen. Und all dies müssen wir tun, denn das Wünschen ist allemal wichtiger als die Wunscherfüllung, welche ohnehin immer imaginär ist.
Dies ist, was er zeigt. Er spricht einfach und dementsprechend von permanenter Standortbestimmung.
(Text: Eva S.-Sturm)

Bernhard Tragut
Biografische Daten

1957 in Purgstall/NÖ geboren
1973-76 lernte ich Vergolder und restaurierte KIRCHEN
1976-83 Ich kam nach Wien, studierte an der Akademie der bildenden KÜNSTE bei Prof. Hausner
1980 Gründung der Band Rucki-Zucki-Palmen-Combo; einer Mischung aus Südsee-,Volks- und Rockabillymusik. Sprung in die Hitparade mit “Südseeträume”
1983 Beendigung der Akademie, sogar mit DIPLOM
1985 versuchte ich PLASTISCH zu arbeiten, es gelang
1991 begann ich zu schnitzen
1994 sang ich wieder einmal meine SCHLAGER
1994-95 bei "Herbergsuche" und "Aperto" die Ateliertüren geöffnet und zur Gitarre gegriffen
1997 Liveauftritte bei Little Woodstock, Kabarett Simpl und Kunstradio bei Recycling the Future
1998 Vorträge an der Webster University in St. Louis, USA
Lebt und arbeitet in Wien und Purgstall (NÖ).

Arbeiten im öffentlichen Raum

1989 Brunnenplastik "Gewagter Sprung" bei der HLM in Mödling
1990 Brunnenplastik "Heiratest du mich einmal?" im Gemeindeamt Purgstall
1992 Wegweiserskulptur "Sie ist oben" beim Kulturhaus Winkelau in Loosdorf/NÖ
1996 Betonreliefs "Ein Kommen und Gehen" an der Wohnhausanlage Jedlersdorfer Straße 294 in 1210 Wien
1998 Mit 32 000 Nägeln beschlagener Bildstock „Wohin gehst du ? “ in Prigglitz, NÖ
Ein Küsserdenkmal „Du liebst mich Du liebst mich nicht “ in Lunz am See, NÖ

Man gab mir

Fügermedaille
Professor Hausner-Preis
Würigungspreis für Bildende Kunst des Bundesministeriums für Kunst und Kultur
Staatsstipendium des BM für Kunst und Kultur
Niederösterreichischer Kulturpreis


Ausstellungsauswahl

1986 * die NÖ Ges. für Kunst und Kultur stellte mich solo im Wiener Künstlerhaus und im Pugstaller Getreidespeicher aus
1997-90 mit CULT zwischen Budapest - Wien - Köln viel ausgestellt
Mein Lieblingsprojekt "Eisheiß", dafür bastelte ich einen Riesenadventkalender
Bei den "Balanceakten" beim NÖ Donaufestival mitbalanciert
1990 * "Diese Fülle, dieser Glanz", eine schillernde Welt aus Beton in der Blau-Gelben Galerie des NÖ Landesmuseums
zwischendurch zwei Brunnen betoniert
"Dreist" zu dritt in der Kunsthalle Exnergasse, außerdem im Oddziac Muzeum in Warschau und im Schloß Halbthurn
1990-92 bei Symposien in Polen und Tirol dabeigewesen
1993 mit dreizehn KünstlerInnen aus Europa zum Thema "Speicher" im Offenen Kulturhaus Linz
* drei Skulpturen im Straßenraum bei der Außerferner Kulturzeit in Reutte
zwei Zeichnungen bei "Paperworks" in der Kunsthalle Exnergasse in Wien
1994 eine Gruppe von KünstlerInnen zum Thema "Babylon" im Schloß Damatschach in Kärnten, darunter meine Liegende
"Stellungnehmen" im Kulturverein Favoriten
der Skulpturenpark Amstetten erhitzt die Gemüter
* "Verliebt" und von Blüten umkränzt erstrahlen meine Dargestellten in der Galerie station 3 in Wien
* "Sie ist oben" wird im Skulpturenpark Winkelau, NÖ, präsentiert
1995 4 Räume in der Wiener Josefstadt werden durch "private plot" wieder ausgestattet
* "Auch in der Ferne bist du mir ganz nah", zu spüren im Troadkast´n Kramsach, Tirol
"Land auf" im Schloß Ulmerfeld
Eine Stunde im "event" im Kunstraum Wien
"Augenschlag", ein DONAURAUMprojekt im Forum Schloß Wolkersdorf
"Vorstellung" in der Galerie Aussee
* "Traumhaft", ein bestimmter Typ mit neuen Turnschuhen, sehr verführerisch oder ganz woanders, in der CULT Galerie in Wien
1996 * "Traumhaft" auf Tournee
im Kunstverein Fa. Paradigma in Linz alleine und doch zusammen mit Birgit Zinner
in der Galerie Inge Freud in Klagenfurt mit Singen bei der Finissage
1997 The Medium – The Message, ehem. Alpenmilchzentrale Wien
LMS, Galerie Menotti, Baden
Sie wünschen, wir träumen, Wagen, Deutschland
1998 Kunst in der Landschaft IV, Gut Gasteil Prigglitz, NÖ
Himmelsblicke, Bad Hofgastein
Transformation/en, Steiermärkische Landesausstellung
Sommerspiele, Lunz am See
1999 Soho in Ottakring, Wien
Berg und Tal, InnGalerie, Kufstein
controverse, Bad Radkersburg, Steiermark
Hin und zurück, Vanguardia Galeria de Arte, Bilbao, Spanien
Mit Hand und Fuß, Galerie Eboran, Salzburg
Schöner Leben, Galerie der Stadt Wels
* Soloschau



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